REISEZIELE, Afrika

Blickwinkelwechsel

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Jubel und Trubel in Marrakesch

3 Februar, 2017

 

Es geht los. Endlich sitzen wir im Flieger Richtung Marrakesch (Marokko). Ich bin gespannt auf die 1 Millionen Stadt. Endlich werde ich afrikanischen Boden unter meinen Füssen spüren. Ich freue mich riesig und bin richtig nervös.

Ich schaue auf die Uhr als ich zum ersten Mal von oben auf die "Wiege der Menschheit" blicke, es ist genau 14:58 Uhr.

Als wir aus dem Flughafenterminal treten, begrüsst uns die warme Sonne und ich bin erstmal glücklich. Unser Riad befindet sich mitten in der Medina (Altstadt), was mir bei der Buchung als besonders reizvoll erschien, sich dann aber bald als eher ungünstig erwies. "Riad" kommt vom arabischen Wort für Garten und bezeichnet ein marokkanisches Haus mit einem Innenhof, bzw. einem inneren Garten. Unseres ist klein aber sehr schön und führte uns vom grossen Trubel der Stadt in eine ruhige und erfrischende Oase.

Mit einem ersten Thé à la menthe werden wir hier freundlich von Lahcen, dem Manager begrüsst.

 

Ein Déjà- vu klopft an

Und dann ging also unser Abenteuer in der fremden Welt los. Das heisst, für mich war sie nicht mehr ganz so femd, denn ich wurde in Marrakesch sehr an meine Reise durch Indien erinnert. Gewisse Dinge waren fast identisch, andere - Gott sei Dank - nicht ganz so genau. Da unser Riad etwa 15 Minuten vom grossen, zentralen "Djemaa el Fna" Marktplatz (von Einheimischen einfach "La Place" genannt) entfernt liegt, blieb uns nichts anderes übrig, als auf dem Weg dorthin das authentische Marrakesch zu sehen, riechen, hören, fühlen. Habe ich nicht geschrieben, wir mögens authentisch? Jaaa...ganz genau.

 

Da waren sie also wieder, die vielen, vielen Menschen, die sich Schulter an Schulter durch die engen Gassen und durch die berühmten Souks (Basar) der Stadt schieben. Da waren sie wieder, die Gerüche, die meine Nase verwirren und die Geräusche, die meine Ohren reizen. Aber empfindlich darf man hier nicht sein und heikel schon gar nicht. Man teilt sich die eigene Komfortzone mit hupenden Mopeds, quietschenden Velos, bemitleidenswerten Eselkarren (die Esel, nicht die Karren), Autos die einen streifen, Lastwagen die den Weg versperren und gefühlt ziemlich allen Marokkanern der Stadt. Die Nasenschleimhäute sind dauerbeleidigt und in meinem Kopf ruft der Muezzin in Dauerschleife zum Gebet. 

 

Rooftop-Schätzchen

Wir versuchen trotzdem positiv zu bleiben und finden ein paar schöne Rooftop-Cafes und Restaurants in denen wir zur Ruhe kommen und die Aussicht geniessen können. Das Essen ist überall sehr lecker, wenn man mal ausnahmsweise nicht darüber nachdenkt woher das Fleisch kommt (Ivan) oder einfach die hervorragenden Gemüsegerichte geniesst (ich). Die Tajines (Lehmkochtopf) haben es uns angetan. Auch das Frühstück im Riad liess keine Wünsche offen und die frischen Fruchtsäfte auf dem Platz haben wir sehr genossen. Und das alles zu einem für uns lächerlich günstigen Preis. Die grössten Fans sind wir natürlich vom obligaten marokkanischen Tee der nach jedem Essen und auch zwischendurch immer wieder gern serviert wird. Dieser bitter-zuckersüsse Tee aus Nana-Minze und grünem Tee ist eine wahre Power-Bombe und kommt auch bei uns zu Hause regelmässig auf den Tisch. Naja, vielleicht nicht ganz so süss.

 

Geburtstagsausflug und ein Zwischenfall

Am zweiten Tag wurden wir bestohlen. Für uns beide eine Premiere. Aber auch das musste wohl mal erlebt sein. Nicht in dem Menschengewühl der Altstadt, nicht auf dem Marktplatz mit all den Bettlern und den zig Menschen die uns etwas verkaufen wollen. Nein, in unserer kleinen Wohlfühloase, unserem Rückzugsort in dem wir uns so wohl fühl(t)en wurden wir während unserer Abwesenheit im Zimmer und 200 Euro ärmer gemacht. Und da es sich um ein kleines Riad handelt, mit nur 8 Zimmern und zwei Angestellten, wurde dies zu einer ziemlich persönlichen Angelegenheit. Zumal wir an diesem Tag auch die einzigen Gäste waren...Am Abend, nach unserer Rückkehr ins Zimmer war also das Geld weg und wir einigermassen entsetzt. Das übliche Prozedere  begann, mit  Reklamation beim Manager, Erklärung, Bestürzung beiderseits und so weiter...wobei ich finde, wir waren sehr nette beklaute Gäste.

 

Der gestohlene Betrag wurde uns aufs Zimmer gutgeschrieben und die Geschichte war somit aus der Welt, aber nicht aus dem Kopf. Äch, was soll ich sagen...ein blödes Gefühl und die Enttäuschung blieb und hat uns ziemlich den Magen und Schlaf verdorben.

 

Am Sonntag hatte Ivan Geburtstag, war aber nicht wirklich in Feierlaune. Wir haben uns dann auf einer wirklich sehr schönen Tagestour durch das wunderschöne Atlasgebirge Marokkos abgelenkt, inklusive Blick auf den höchsten Berg Nordafrikas. Ibrahim, unser Führer, hat uns durch die vielen Orangen-, Oliven-, Pinien- und Apfelbäume, einer traumhaften Bergkulisse und viel rote Erde chauffiert. 

 

Marrakesch meets Wien

Dieser Tag "auf dem Lande" wird sicher als Höhepunkt dieser Reise in Erinnerung bleiben.

Das zweite und wohl grösste Highlight ist das Kennenlernen der zwei nächsten Gäste unseres Riads - und bis zu unserer Abreise den Einzigen. Sigi und Wolfgang aus Wien haben uns die Tage bis zu unserer Abreise versüsst. Da wir mit dem Manager Stillschweigen über den kleinen, unangenehmen Zwischenfall vereinbart hatten, erfuhren sie nichts über den wahren Grund unseres Unwohlseins. Durch ihre sympathische, herzliche und typisch wienerische Art haben sie uns aber schnell auf andere Gedanken gebracht.

 

Zusammen haben wir dann den "Jardin Majorelle" besucht, den botanischen Garten der dem französischen Modedesigner Yves Saint Laurent gehörte und wo der selbige nach seinem Tod im Rosegarten verstreut wurde. Hier findet man Pflanzen und Kakteen aus allen fünf Kontinenten, Brunnen plätschern vor sich hin und die blau-grün-gelben Farben sind eine Freude fürs strapazierte Auge.

 

 

Den Nachmittag haben wir im Palais Bahia verbracht und - wie soll es auch anders sein - bei einem Minzentee auf einer Dachterrasse beim "La Place" ausgeklungen.

 

 

Marrakesch ist laut und voll und bietet 1001 neue Eindrücke. DIE Chance auf einen Blickwinkelwechsel.

Nach einer (individuellen) Angewöhnungszeit findet man dank den vielen schönen Gärten, Palästen und Rooftop-Cafes einige Plätze zur Erholung und Zeit zum Auftanken. Schläft man in einem der vielen wunderschönen Riads (und wird dort nicht bestohlen) und kann man mit dem orientalischen Charakter umgehen, wird man hier einige schöne Tage erleben. Die Wärme und das tolle Essen machen es einem noch einfacher.

 

Wir würden das Riad künftig jedoch nicht mehr mittendrin sondern eher etwas ausserhalb buchen. So bekommt man auf dem Weg zum Zentrum nicht jedes mal die geballte Ladung Kulturschock ab sondern schön peu à peu.


Warst du auch schon in Marrakesch? Wie hat es dir gefallen? Oder würdest du gerne schon lange Mal hin?

Ich freue mich sehr über deinen Kommentar!

kommentare

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Kommentare: 2
  • #1

    Monica (Mittwoch, 15 Februar 2017)

    Wenn ich mal wo hinreisen möchte wo Du schon warst, werde ich Deine Beiträge als Leitfaden nehmen!!! Und natürlich noch persönlich nachfragen!
    Toll geschrieben und wunderbare Fotos =)
    Danke!

  • #2

    lieblingszeit. (Sonntag, 07 Mai 2017 18:39)

    Danke liebe Monica, so schön, dass es dir gefällt!
    Liebe Grüsse
    Nicole