REISEZIELE, Asien

Schockstarre Indien oder eine Freundschaft beginnt

8 Januar, 2011

 

Ich will euch die Geschichte meiner 3-wöchigen Indienreise in wenigen Worten erzählen.

Es hat mich magisch nach Indien gezogen. Und auch wenn ich einigermassen geschockt zurückkam, hat mich diese Reise auf eine Weise berührt die man nur fühlen und nicht in Worten beschreiben kann.

Ich kam verändert zurück und dafür bin ich sicher mein Leben lang dankbar.

 

Persönliche Grenzerfahrung

Ich habe in Indien vieles gesehen, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Unglaublich Schönes aber auch Abscheuliches, Menschenunwürdiges und für mich fast nicht auszuhalten.

Ich kenne viele, die begeistert aus ihrem Indien-Aufenthalt zurückkamen und ich kann diese Menschen auf eine gewisse Art verstehen- meine eigene Erfahrung war jedoch grösstenteils eine andere.

 

Aber ich war natürlich auch nur in einem kleinen Teil dieses riesigen Landes.

 

Das Schlimmste für mich war sicher die Luft. Ich, die immer alle Fenster aufreisst und ein echter, echter Frischluft-Fan bin, war da natürlich in der Hölle gelandet. Die Luft stinkt. Punkt. Sie stinkt und brennt. Schnell hatte ich mich den Indern angepasst und ständig einen Schal um Mund und Nase gewickelt.

 

Dann war da die Kälte. Ich hatte vorausschauend einen Schlafsack mitgenommen. Gott sei Dank! Denn die schäbigen Zimmer in denen wir hausten, hatten entweder gar keine Decke oder eine alte, durchlöcherte, vor Dreck stehende Wolldecke. Von der "Matratze" ganz zu schweigen. Ich hatte also meinen neuen besten Freund, den Schlafsack, dabei und Wärmepads. Aber diese waren schnell aufgebraucht. Die Kälte zog durch alle Ritzen und davon hatte es an den Türen und Fenstern genug. Das Handtuch (mitgebracht) wurde nach dem ersten Mal duschen nicht mehr trocken und so musste meist eine Katzenwäsche genügen - mit kaltem Wasser natürlich.

 

Magic Moments

Wir hatten trotz dieser eisigen Kälte, dem brennendem Smog und dem omnipräsentem Dreck auch einige magische Momente.

 

Das Taj Mahal in Agra ist sicher eines davon. Dieses riesige Grabmal, das einst ein indischer Mogul für seine verstorbene, grosse Liebe hat bauen lassen, ist wahrhaft schön.

 

Und das Essen muss ich loben! Das war echt der Hammer! Überlegen wie und wo es zubereitet wird, darf man nicht, aber es war wirklich absolut genial! Durch die Schärfe haben sich wahrscheinlich sämtliche Bakterien in meinem Darm wieder verabschiedet. I love it!

 

Und dann waren wir auf der ganzen Reise kleine Promis. Wir wurden immer wieder von Jugendlichen angesprochen ob sie ein Foto von und mit uns machen dürfen. Nicht etwa wir wollten mit ihnen fotografiert werden, nein, nein, sie mit uns. Das war mal ein ganz anderes Gefühl.

 

Ein Highlight war auch die Kamelsafari in der Wüste Thar. Mein Kamel "Lala" hat mich sicher ans Ziel getragen und mir mehr als einmal einen unvergesslichen Lachanfall beschert.

Die Nacht in der Wüste war die Kälteste meines Lebens und ich dachte ich überleb es nicht. Und dann kam einer dieser magischen Momente, nämlich die wenigen Sekunden, in denen ich durch die Decke, Jacke, Schal und Schlafsack einen kurzen Blick auf den gigantischen Sternenhimmel werfen konnte. Dieser Anblick war unbeschreiblich schön. Die Sterne sprichwörtlich zum greifen nah!

 

Freundschaft für's Leben

Und dann waren da noch meine "Deutschen" wie ich sie (liebevoll gemeint) nenne, Kathi und Stefan aus dem schönen Bayern, die ich auf der Hinreise am Flughafen Istanbul kennengelernt habe. Dort hatten wir nämlich über 8 Stunden Verspätung und mussten uns die Zeit vertreiben. Wir kamen ins Gespräch und sie haben mir in Delhi schliesslich angeboten erstmal mit ihnen zu reisen, denn sie waren geschockt, dass ich alleine unterwegs war.

 

Ohne sie wäre ich wahrscheinlich schon früher wieder abgereist. Aber sie haben Stärke bewiesen, obwohl auch sie zwischendurch an ihre Grenzen kamen, und das hat mir Mut gemacht.

 

Ich nehme also viele Erinnerungen mit, die aus mir einen dankbareren Menschen gemacht haben, dankbar für das Privileg Schweizerin zu sein.

 

Und  ich nehme eine Freundschaft mit, die über all die Jahre immer noch besteht.

 

 

Nie wieder Indien? Kann ich so nicht sagen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr reizt es mich wieder. Allerdings würde ich dieses Mal so einiges anders machen...unter anderem nicht mehr alleine hinreisen und ich würde ein grösseres Budget berechnen, damit ich nachts im Bett nicht mehr frieren und mich mit warmen (heiss muss es ja nicht sein) Wasser duschen kann...

 

In jedem Fall ein RIESENGROSSES Dankeschön an Indien und die Erfahrungen die ich machen durfte - das hat mich fürs Leben geprägt!


Was hast du für Erfahrungen in Indien gemacht? Würdest du wieder hin oder reicht dir das eine Mal? Teile mir deine Meinung mit, ich freue mich über deinen Kommentar!

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