REISEZIELE, Europa

Vom Winde verweht in Edinburgh

13 Mai, 2017

 

Noch im Flugzeug versuchte ich, durch das winzige Fenster einen ersten Eindruck von Edinburgh zu bekommen. Fehlanzeige, die Wolken zogen eine nach der anderen an mir vorüber ohne mir auch nur einen einzigen Blick aufs Land oder die Stadt zu gewähren. Ganz schön wolkenverhangen, war also mein erster Gedanke. 

Doch bald stellte sich heraus, dass der Himmel über Edinburgh zum heimlichen Highlight der Stadt gehört, da er, mit seinen vielen Wolken und dem blauen Himmel nämlich immer wunderschön anzusehen ist!

 

Die Frisur sitzt?

 

Was ich ausserdem ziemlich rasch verstand: Frau muss sich hier um die Frisur keine Gedanken machen. Für den Ausgang oder ein schickes Essen stylen? Zeitverschwendung! Innert Sekunden haben dich Herr Wind und Frau Böe in ihren Fängen und verhudlen dich so dermassen, dass du genauso gut durch einen Windkanal spazieren könntest. Eigentlich genial, oder? Das müssen Stunden sein, die Frau (und auch Mann) hier an Zeit spart, die stattdessen in die Stadterkundung investiert werden kann.

 

Edinburgh, auf schottisch-gälisch Dùn Eideann, ist also windig und das Wetter hier gehört wohl eher zu den launischeren Genossen. Scheint im einen Moment die Sonne und du denkst fast, du schwitzt, ziehen die Wolken plötzlich wieder näher zusammen und im nächsten Moment regnet es. Und so geht das den ganzen Tag - gewöhnungsbedürftig aber eigentlich gar nicht so schlecht...mir gefällts! Die Möwen kreisen über unseren Köpfen - das Meer ist so nahe, dass man es riechen kann! Schaut man, von der eindrucksvollen Burg her kommend, die High Street hinunter, kann man das Blau der schottischen See sogar erkennen.

 

Offen und freundlich

 

Mir gefällt die Stadt auf den ersten Blick. Sie wirkt etwas düster vielleicht und ihre Geschichte sitzt an jeder Ecke und in jeder Mauer. Die Menschen sind jedoch sehr offen und freundlich, im Pub wirst du schnell angesprochen, trotzdem respektiert man deine Privatsphäre und lässt dich in Ruhe wenn du es willst. Ich musste des Öfteren nachfragen weil ich das Englisch mit schottischem Akzent nicht so gut verstand wie erhofft, aber das war nie ein Problem, in aller Ruhe und Freundlichkeit wurde mir das Ganze dann nochmals und in "schönerem" Englisch erklärt.

Da war die Taxifahrerin, die, erfreut über unsere Herkunft, die Schweiz als "posh" (vornehm, nobel) bezeichnete. Oder das ältere Ehepaar am Nebentisch, das mit uns über die extreme Lautstärke an diesem Abend im Pub lachte. Da war Jan, unser Guide in den Highlands, der den ganzen Tag schottische Anekdoten und Witze erzählte. Da war der Kellner im Hotelrestaurant, der uns zur Begrüssung am Morgen lachend eine tiefe Verbeugung schenkte.

 

Rugby Final Murrayfield

 

Am Samstagabend waren wir im Murrayfield Stadion, mit knapp 55'000 anderen Rugby Fans feierten wir das Champions Cup Finale - Clermont (Frankreich) gegen die Saracens (England). Ivan jubelte für die Franzosen und ich schwang meine Fahne für England, welche dann zu meiner grossen Freude schliesslich mit 28:17 Punkten den ersehnten Pokal gewannen! Es hat uns zwar fast vom Sitz geweht (und das soll was heissen) aber mit genügend Cider und Bier war dieser Abend trotzdem einmalig!

 

Highland Lochs, Glens & Whisky

 

Ein weiterer Höhepunkt dieser Reise war der Ausflug in die Highlands. Mit Jan, unserem Führer, sind wir den ganzen Tag durch schottisches Hochland an fantastische Aussichtspunkte, einen Wasserfall, romantische Dörfer und vorbei an unzähligen Schaf - und Kuhherden gefahren. Der Besuch in der Dewar's Aberfeldy Distillery (Whisky!) mit Degustation war der krönende Abschluss. Wir durften einen 20 jährigen und 55 % igen Whisky probieren - einmal daran genippt, erhielt Ivan die Freude, mein Glas auch noch auszutrinken! Der war mir dann doch zu stark.

 

Das Wetter hat an diesem Tag gar nicht mitgespielt,  es hat den ganzen Tag geregnet - trotzdem ein tolles Erlebnis! Die Tour bei Rabbie's zu buchen hat sich absolut gelohnt!

 

Geschichten Edinburghs

 

Jan hat uns viel über Edinburgh und seine bekannten Bürger erzählt.

Von J.K. Rowling zum Beispiel, die ursprünglich arm und alleinerziehend in verschiedenen Cafes in Ediburgh ihren berühmten Zauberlehrling Harry Potter auferstehen liess, in Cafes, weil es dort wärmer als in ihrem eigenen Zuhause war.

Von Sean Connery, aus Jans Sicht natürlich der beste James Bond aller Zeiten, der zwar jetzt auf den Bahamas lebe aber vor seinen berühmten Zeiten in Edinburgh unter anderem als Milchmann, Bodybuilder und Aktmodell an der Kunstschule agierte.

 

Er erzählte uns auch über die weniger prunkreichen Zeiten, als die Stadt von Einwohnern überquellte, die Häuser Stockwerk um Stockwerk in die Höhe gebaut wurden, so dass man vom Boden den Himmel fast nicht mehr sehen konnte. Zweimal am Tag musste das jüngste Familienmitglied den Fäkalien-Kessel (=Klo) aus dem Fenster leeren und dabei lautstark "gardy-loo" (Achtung "Wasser") rufen, damit die unten wussten, was auf sie zukommt! Das Ganze wurde dann vom Regen in den nahen "Loch" (See) geschwemmt oder von bedauernswerten Stadt-Angestellten die Gassen hinuntergewischt - naaa, schon mal gedacht, iiiihr hättet einen Scheiss-Job?!

 

Heute ahnt man davon nicht mehr viel. Einige dieser alten Gassen wurden geschlossen, können aber in einer interessanten Führung durch die "Unterwelt" besichtigt werden.

 

Die hübschen Häuserreihen mit den farbigen Ladenfassaden passen sich heute hervorragend ins Stadtbild ein und verleihen Edinburgh einen speziellen Charme.

 

Muscheln, Haggis und frittierte Mars-Riegel

 

Edinburgh ist auf sieben Hügeln gebaut. Demnach geht es auf und ab, was es aber so Besonders macht. Orientierungsmässig kein Problem, innert Kürze hat man den Stadtplan "durchschaut" und wir sind bald ohne dessen Hilfe raus. In den vielen kleinen Pubs und Restaurants isst man hervorragend, zwischen Touristen und Einheimischen kann man hier unter anderem den berühmten Haggis (Schafsmagen gefüllt mit Innereien) probieren - was wir natürlich getan haben. Und ich muss sagen, mir hat es gar nicht so übel geschmeckt, unserer war recht gut gewürzt, so dass man kurzzeitig vergass, was man da gerade im Mund hat. Schmeckt es einem nicht, kann man es problemlos mit einem der vielen, vielen Biersorten oder gleich einem schotischen Whisky herunterspülen.

Eine weitere schottische "Köstlichkeit" ist der frittierte Mars-Riegel. Trotz einer kleinen Vorahnung wollte ich das unbedingt probieren und musste dann nach zwei Bissen auch prompt aufgeben. Mein Exemplar war nebst dem Frittieren auch noch mit einer Schoko-Sauce übergossen und mit Vanilleglace, Schoko-Raspeln und Schlagrahm garniert - für einige vielleicht der 7. Himmel, für mich dann doch zu viel des Guten. 

 

Da haben mir die fangfrischen Muscheln, die man hier überall haben kann, viel besser geschmeckt - einfach fantastisch, inklusive Sommerferien-Flair!

 

Übrigens wird hier in jedem Pub der Tisch sofort gründlich abgewischt und desinfiziert nachdem der Gast gegangen ist. Das habe ich noch nie woanders gesehen.

 

 

Edinburgh ist eine Stadt in der man sich wohlfühlen kann. Man hat schnell einen Überblick und kann sich einfach treiben lassen. Die Bewohner sind sehr nett und hilfsbereit und immer für einen Schwatz zu haben. Für das Wohl von Leib und Seele ist definitiv gesorgt - untermalen von den berühmten Dudelsackspielern die hier zwischen der eindrucksvollen Burg und dem Queens Palace ihre Lieder dudeln.

 

In Verbindung mit unserem Ausflug in die Highlands war für uns diese Reise perfekt!

 

Wiedersehen nicht ausgeschlossen! :-)

 


Warst du auch schon mal in Edinburgh? Wie hat es dir gefallen? Erzähle mir von deinen Highlights. Ich freue mich sehr über deinen Kommentar.

kommentare

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Kommentare: 2
  • #1

    Doris Stieger (Mittwoch, 24 Mai 2017 09:21)

    Liebe Nicole,
    so schön wieder einen spannenden und unterhaltsamen Reisebericht von dir zu lesen. Sitzt die Frisur? Ha,ha,ha. Super finde ich auch, dass ihr in die Highlands gefahren seid (vor allem für Ivan wegen dem Whisky), und euch diese wunderschöne Landschaft angesehen habt.
    Sehr mutig von dir den Haggis zu probieren! Hut ab!
    Wir haben im August 1999 Edinburgh besucht und sind ebenso begeistert zurückgekommen. Ich schaue mir grad das Fotoalbum an. Im August ist Edinburgh in Festival-Stimmung wegen des Military-Tattoos. Überall in den Strassen treten Künstler auf mit Akrobatik, Zaubern, Malen usw. Herrlich! Über den Hotel-Concierge bekommen wir noch Tickets für das eigentlich ausverkaufte Military-Tattoo - wir freuen uns - dass wir das doppelte vom ursprünglichen Preis bezahlen müssen, ist egal, Hauptsache wir sind dabei, Und es hat sich sehr gelohnt. Einfach nur SENSATIONELL! Ich spüre die Athmosphäre heute noch, wenn ich dran denke.
    Edinburgh - eine schöne Stadt, mit vielen schönen alten Häuserreihen, herrlichen blumenbeschmückten Pubs, Princess Garden, Schlösser und Burgen und noch vieles mehr. Es lohnt sich wirklich diese Stadt zu besuchen. Da kann ich deine Begeisterung nur teilen.
    Liebe Grüsse und big kiss

  • #2

    lieblingszeit. (Dienstag, 30 Mai 2017 10:01)

    Liebe Doris
    Wow, du hast Edinburgh in deinem Kommentar auch grad super beschrieben! Solltest auch einen Blog starten! ;-) Wenn ich jetzt die Fotos nochmals betrachte, war's einfach nur wunderschön! Ich bin fast sicher, dass wir hier nochmals hinfliegen werden und dann nochmals die Highlands besuchen. Einfach nur schön! Das Military Tattoo wird dann sicher auch auf dem Plan stehen - das muss ein echtes Highlight sein!
    Vielen Dank für deine Worte
    Liebe Grüsse
    Nicole